Für einen See von achtzehn Quadratkilometern isst man am Ortasee bemerkenswert gut. Im Umkreis weniger Kilometer um den Ort gibt es drei Restaurants mit Michelin-Sternen, darunter eines der Drei-Sterne-Häuser Italiens, und um sie herum eine ganze Reihe von Trattorien, Weinbars und Terrassen am See, die die meisten Besucher nie entdecken, weil sie über die Piazza Motta nicht hinauskommen. Dies ist unser Ratgeber zu beidem: was Sie bestellen, wo Sie sitzen sollten und die praktischen Details, die über ein gutes oder ein verpasstes Abendessen entscheiden. Alle hier genannten Adressen haben wir im Oktober 2026 überprüft.
Typische Gerichte: die Küche des Cusio
Der Ortasee — die Gegend heißt auf Italienisch Cusio — liegt dort, wo die Reisebene von Novara auf die Alpentäler trifft, und genau diese Mischung prägt seine Küche: Risotto und Wurstwaren, Polenta und Bergkäse. Folgendes lohnt sich zu bestellen, wenn Sie es auf der Karte sehen.
- Paniscia novarese. Das große Gericht der Provinz: ein Risotto mit Bohnen, Kohl, Rotwein und salam d'la duja. Der Name kommt von panìco, der Hirse, die man hier kochte, bevor der Reis kam. Deftig und ideal ab Oktober.
- Salam d'la duja. Eine weiche Salami, die in einem Tontopf, der duja, unter Schmalz aufbewahrt wird, damit sie monatelang zart bleibt. Sie begegnet Ihnen auf Aufschnittplatten und in der Paniscia.
- Mortadella d'Orta. Nicht die aus Bologna: eine Kochwurst mit Schweineleber; ihre rohe Verwandte heißt fidighin. Beide stehen auf Italiens offizieller Liste traditioneller Lebensmittel. Probieren Sie sie auf einem Brett mit lokalen salumi (Wurstwaren) und einem Glas Rotwein.
- Tapulone. Aus Borgomanero, gleich südlich des Sees: gehacktes Eselfleisch, langsam in Rotwein geschmort und mit Polenta serviert. Der örtlichen Legende nach haben es Pilger erfunden, die von der Isola San Giulio heimkehrten und außer ihrem Esel nichts mehr zu essen hatten.
- Gorgonzola und Toma. Das Gorgonzola-Konsortium hat seinen Sitz in Novara, und aus dem Piemont kommen etwa sieben von zehn Laiben — hier ist also der richtige Ort, ihn wirklich kennenzulernen, von mild und cremig bis kräftig und bröckelig. Toma Piemontese, ein milder Bergkäse, stammt aus den Tälern rund um den See.
- Risotto. In den Provinzen Novara, Vercelli und Pavia wachsen fast 80 % des italienischen Reises, und jede Küche hier nimmt Risotto ernst, von der Paniscia bis zu Varianten mit Gorgonzola, Maronen oder, im Herbst, Waldpilzen.

Ein Wort zum Seefisch. Barsch, Felchen und Forelle stehen rund um den See auf vielen Karten, und sie können sehr gut sein. Doch am Ortasee gibt es keine Berufsfischerei: Der Fischbestand hat sich erst vor Kurzem nach Jahrzehnten industrieller Verschmutzung erholt — eine Geschichte, die wir in Das Wunder der Kalkung erzählen. Der Fisch auf Ihrem Teller wurde also nicht vor Ihren Augen gefangen. Wenn Ihnen das wichtig ist, fragen Sie, woher er kommt.
Was man trinkt: der Nebbiolo, von dem niemand spricht

Die Hügel südlich des Sees gehören zum Weinbaugebiet Alto Piemonte und bringen Nebbiolo-Rotweine hervor, die weit weniger berühmt sind als der Barolo und ein weit besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Ghemme ist das Aushängeschild: seit 1997 eine DOCG, die höchste Stufe der italienischen Herkunftsbezeichnungen, aus mindestens 85 % Nebbiolo, den man hier Spanna nennt, abgerundet mit Vespolina und Uva Rara. Boca, Fara und Sizzano sind kleinere DOCs mit einer treuen Fangemeinde, und die übergeordnete Herkunftsbezeichnung Colline Novaresi umfasst auch einen frischen Weißwein aus Erbaluce. Bestellen Sie einen Ghemme zum Tapulone oder zur Paniscia, und Sie werden verstehen, warum die Winzer es nicht eilig haben, es der Welt zu erzählen.
Sterne-Restaurants am Ortasee
- Villa Crespi, Orta San Giulio — drei Michelin-Sterne. Das Restaurant von Antonino Cannavacciuolo in einer maurischen Villa aus dem 19. Jahrhundert, die große Adresse für besondere Anlässe am See. Mittag- und Abendessen von Mittwoch bis Sonntag, Montag und Dienstag geschlossen, Winterpause vom 4. bis 28. Januar 2027. Von der Villa Volpe sind es 11 Minuten zu Fuß; über das ganze Erlebnis haben wir ausführlich geschrieben.
- Andrea Monesi – Locanda di Orta, Via Olina, im Ort — ein Michelin-Stern. Eine kleine, einfallsreiche Küche mitten in der Altstadt, mit drei winzigen Terrassen, die lange im Voraus reserviert werden müssen. Dienstags geschlossen; Mittwoch bis Freitag nur abends; Samstag, Sonntag und Montag mittags und abends.
- Cannavacciuolo by the Lake, im Laqua by the Lake in Pettenasco — ein Michelin-Stern. Die zweite Cannavacciuolo-Adresse am See, mit einer Terrasse direkt am Wasser und Küchenchef Gianni Bertone am Herd. Saisonal geöffnet, von Frühling bis Herbst, mit einem entspannteren Bistro nebenan.
- Al Sorriso, Soriso — ein Michelin-Stern. Ein traditionsreicher Name der piemontesischen Spitzengastronomie, in einem Dorf in den Hügeln rund zehn Kilometer südlich des Sees.
Der Guide Michelin empfiehlt außerdem zwei Restaurants am Seeufer ohne Stern: das Giardinetto in Pettenasco, mit Blick auf die Insel und einer Bar auf der Dachterrasse, und Casa Fantini – Lake Time in Pella am Westufer. Der Guide 2027 erscheint voraussichtlich im November 2026, die Sterne können sich also ändern; die oben genannten stammen aus der Ausgabe 2026.
Im Ort: die Piazza Motta mit Seeblick und die Gassen dahinter
Die Tische auf der Piazza Motta, mit Blick auf die Insel, sind die berühmtesten in Orta. Sie bezahlen für die Aussicht, und bei Sonnenuntergang lohnt es sich. Ai Due Santi, Venus und Leon d'Oro haben Tische mit Blick aufs Wasser, und La Piazzetta am selben Platz gehört zu den am besten bewerteten; für einen Sommerabend sollten Sie reservieren. Eine Gasse weiter hinten sinken die Preise: Filo e Fieno in der Via Olina zählt zu den am höchsten bewerteten Restaurants im Ort.
Für etwas Leichteres ist Pan & Vino auf der Piazza Motta Weinbar und Feinkostladen zugleich, mit piemontesischen Wurstwaren, Käse und Weinen aus der Gegend (mittwochs geschlossen sowie in der Winterpause von Anfang Januar bis Ende Februar), und Al Boeuc in der Via Bersani ist eine alteingesessene Weinbar. Für Kaffee und Gebäck: Il Banco di Cannavacciuolo ist die Konditorei des Küchenchefs an der Piazza. Und wer in der Altstadt mit dem See zu Füßen zu Abend essen möchte: Das Teatro Magico, das Restaurant des Hotel San Rocco, hat Bogenfenster über dem Wasser und im Frühling und Sommer Terrassen am See.
Auf der Insel

Die Isola San Giulio hat ein einziges Restaurant, das Ristorante San Giulio, mit einer Terrasse am Wasser. Es ist saisonal geöffnet: 2026 öffnete es am 21. März, mittags täglich außer mittwochs, abends von Juni bis September nur freitags und samstags. Ein Mittagessen auf der Insel nach einem morgendlichen Rundgang über den Weg der Stille gehört zum Schönsten, was man am See tun kann.
Zu Fuß von der Villa Volpe
Wenn Sie bei uns wohnen, brauchen Sie kein Auto, um gut zu essen.
- L'Ustaria Cà dal Rat — 9 Minuten zu Fuß am Ufer entlang. Kreative Küche von Küchenchef Carlo Marforio auf einer Terrasse direkt am Wasser, mit eigenem Steg. Unser nächster Nachbar, und ein sehr guter.
- Villa Crespi — 11 Minuten zu Fuß, für den großen Abend.
- Ristorante Bocciolo — rund 20 Minuten zu Fuß Richtung Pettenasco, im Hotel Bocciolo: ein unkompliziertes Restaurant mit Pizzeria und Terrasse.
- La Cucina at La Darbia — 25 Minuten zu Fuß bergauf oder eine kurze Autofahrt zu einem kleinen Luxusresort oberhalb des Ortes, mit Blick über den See bis zum Monte Rosa. Küchenchef Matteo Monfrinotti kocht werktags abends und am Wochenende mittags und abends; mittwochs geschlossen.
- Piazza Motta — rund eine halbe Stunde zu Fuß über die Uferstraße in den Ort, oder eine kurze Fahrt zu den Parkplätzen oberhalb.
In den Hügeln und am anderen Ufer
Die Dörfer über dem Ostufer bewahren die traditionellste Küche. Die Taverna Antico Agnello in Miasino, in der alten Villa Nigra, ist die Adresse für die Klassiker, von der Lebermortadella bis zum salam d'la duja. Die Fattoria del Pino in den Hügeln von Miasino ist ein ländliches Gasthaus auf einem Bauernhof, mit Zimmern.
Auf der anderen Seite des Wassers blickt Pella am Westufer direkt hinüber nach Orta und auf die Insel. Das Ristorante Imbarcadero hat eine Terrasse am Anleger, die Antica Cartiera ist eine moderne Trattoria im Ort, und die Gelateria Antica Torre an der Uferpromenade liefert den besten Vorwand für einen Abendspaziergang. Von März bis Oktober verbindet das Linienboot Orta und Pella, Sie können also übersetzen, ohne um den See zu fahren.
Essen am Ortasee: praktische Tipps
- Zeiten. Mittagessen gibt es etwa von 12.30 bis 14 Uhr, Abendessen ab 19.30 Uhr. Die Küchen schließen früher als in Süditalien; planen Sie nicht, um 22 Uhr spontan vorbeizukommen.
- Reservieren. Immer bei den Sterne-Restaurants, im Sommer auf der Insel und für einen Tisch auf der Piazza Motta zum Sonnenuntergang. Viele Restaurants haben einen Ruhetag pro Woche, oft Dienstag oder Mittwoch.
- Das Gedeck. Ein coperto, also ein Gedeckpreis von 1 bis 5 € pro Person, ist in Italien üblich und zulässig, solange er auf der Speisekarte steht.
- Winter. Mehrere Lokale schließen zwischen November und Februar für einige Wochen, und die saisonalen (die Insel, Laqua) öffnen erst im Frühling. Rufen Sie vorher an. Mehr dazu in unserem Beitrag Der Ortasee im Herbst und Winter.
- Parken. Der Ortskern von Orta San Giulio ist für den Verkehr gesperrt. Parken Sie oberhalb des Ortes, in Prarondo oder an der Via Panoramica, und gehen Sie zu Fuß hinunter; das dauert zehn bis fünfzehn Minuten. Mehr dazu in unserem Ratgeber zur Anreise zum Ortasee.
Oder selbst kochen, mit Seeblick

Einige der besten Mahlzeiten am Ortasee gibt es nicht im Restaurant. Die Villa Volpe hat eine voll ausgestattete Küche und einen Esstisch mit Blick aufs Wasser — ein Brett mit Mortadella d'Orta und Gorgonzola aus dem Feinkostladen, ein Topf Risotto und eine Flasche Ghemme, während das Licht über dem See schwindet, werden leicht zum Abendessen der Woche. Und am nächsten Abend gehen Sie zu Fuß ins Restaurant nebenan.
Häufige Fragen
Wie viele Michelin-Sterne-Restaurants gibt es am Ortasee?
Drei direkt am See im Guide Michelin 2026: Villa Crespi (drei Sterne) und Locanda di Orta (ein Stern) in Orta San Giulio sowie Cannavacciuolo by the Lake (ein Stern) in Pettenasco. Auch Al Sorriso im rund zehn Kilometer entfernten Soriso hat einen Stern.
Gibt es ein Restaurant auf der Isola San Giulio?
Ja, das Ristorante San Giulio mit einer Terrasse am Wasser. Es ist saisonal geöffnet, von Frühling bis Herbst: mittags täglich außer mittwochs, abends freitags und samstags von Juni bis September.
Was sind die typischen Gerichte am Ortasee?
Paniscia novarese (ein Risotto mit Bohnen und Salami), salam d'la duja, Mortadella d'Orta, Tapulone (Eselfleisch, geschmort, mit Polenta), Gorgonzola und Toma sowie Nebbiolo-Rotweine aus Ghemme und Boca.
Stammt der Fisch in den Restaurants am Ortasee aus dem See?
Nein. Am Ortasee gibt es keine Berufsfischerei; der Fischbestand hat sich erst vor Kurzem von Jahrzehnten der Verschmutzung erholt. Seefisch auf den Speisekarten der Gegend kommt von anderswo; fragen Sie im Restaurant, wenn Sie wissen möchten, woher.
Muss man in den Restaurants am Ortasee reservieren?
Bei den Sterne-Restaurants ja, und zwar lange im Voraus. Im Sommer und an Wochenenden ist es ratsam, überall zu reservieren, besonders für einen Tisch am Wasser zum Sonnenuntergang. Viele Restaurants haben einen Ruhetag pro Woche, und manche schließen für einen Teil des Winters.
Titelbild: Piazza Motta, Helmlechner, CC0, via Wikimedia Commons.
