Die Anreise an den Ortasee ist unkompliziert — von München sind es rund sechs Stunden, von Frankfurt gut acht. Was 2026 anders ist als in den Jahren davor, steht nicht auf der Strecke, sondern in den Vorschriften: eine neue Gebühr in der Schweiz und ein Dieselverbot in Norditalien, das im Oktober greift. Beides kann eine gut geplante Fahrt teuer machen, wenn man es übersieht.

Die Schweizer Vignette: kein Weg daran vorbei

Die Vignette kostet 2026 40 CHF beziehungsweise 44,50 Euro und gilt vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres. Entscheidend ist der Satz, den viele erst an der Grenze lernen: eine Kurzzeitvignette gibt es nicht, und eine streckenbezogene Maut auch nicht. Ob Sie zwei Wochen in der Schweiz bleiben oder nur vierzig Kilometer Autobahn zur Durchreise nutzen — Sie zahlen denselben Betrag.

Der Gotthard-Straßentunnel auf der A2 ist darin enthalten, ebenso der San-Bernardino-Tunnel auf der A13. Für die Tunnel fällt also nichts zusätzlich an.

Neu: die geplante Transitgebühr

Im März 2026 hat der Nationalrat mit 173 zu 13 Stimmen für eine Transitgebühr votiert; der Ständerat hatte bereits zugestimmt. Damit gibt es erstmals in beiden Kammern eine Mehrheit dafür. Im Gespräch sind rund 21 Franken (etwa 23 Euro) pro Durchfahrt, die nur ausländische Reisende beträfen und zusätzlich zur Vignette anfielen.

Wichtig: Das ist ein politischer Beschluss, noch keine Gebühr an der Schranke. Wann und in welcher Form sie kommt, ist offen. Rechnen Sie sie für 2026 nicht fest ein, aber wissen Sie, dass sie im Raum steht — und prüfen Sie kurz vor der Abfahrt den aktuellen Stand beim ADAC.

Das Dieselverbot ab 1. Oktober 2026

Das ist der Punkt, der die meisten überrascht. Die für Oktober 2025 geplanten Fahrbeschränkungen für Euro-5-Diesel in Norditalien wurden um ein Jahr verschoben und treten nun am 1. Oktober 2026 in Kraft.

Zwei Dinge dazu, die man wissen muss. Erstens: Eine generelle Ausnahme für Touristen oder ausländische Kennzeichen gibt es nicht. Die örtlichen Fahrverbote gelten für Urlauber aus Deutschland genauso wie für Einheimische. Zweitens: Bereits beim ersten Verstoß wird in der Regel ein Bußgeld ab 168 Euro fällig, und italienische Verkehrsverstöße lassen sich nach Deutschland vollstrecken.

Konkret heißt das: Wer im August mit einem Euro-5-Diesel herunterfährt, hat kein Problem. Wer im Oktober kommt, sollte vorher die Schadstoffklasse im Fahrzeugschein nachsehen und prüfen, welche Gemeinden auf seiner Route betroffen sind. Der Ortasee selbst liegt ländlich, die Beschränkungen zielen auf die Ballungsräume — aber die Anfahrt führt oft durch sie hindurch.

Die bessere Route: über den Simplon statt über Mailand

Die meisten Navis schicken Sie über den Gotthard nach Chiasso, dann über die Mailänder Ringautobahn nach Westen. Das funktioniert, kostet aber Nerven: Der Ring ist eine der zähesten Strecken Norditaliens.

Für den Ortasee ist die Route über den Simplon fast immer die angenehmere. Von Bern über Brig, durch den Simplon nach Domodossola, dann hinunter nach Gravellona Toce — von dort sind es noch rund fünfzig Kilometer bis an den See. Sie umfahren Mailand komplett und fahren stattdessen durch eine der schönsten Alpenlandschaften der Strecke. Wer den Pass nicht selbst fahren möchte, nimmt den Autoverlad durch den Lötschberg und spart die Rampe.

Angekommen: die ZTL in Orta San Giulio

Der historische Ortskern von Orta San Giulio ist autofrei — deshalb ist er so, wie er ist. Besucher parken oberhalb des Dorfes und gehen die letzten fünf bis zehn Minuten zu Fuß hinunter. Wer in die Fußgängerzone einfährt, weil das Navi es so sagt, zahlt.

Wenn Sie in der Villa Volpe wohnen, umgehen Sie das: Das Haus liegt an der Uferstraße direkt außerhalb der Zone, mit eigenen Parkplätzen. Sie laden vor der Tür aus, und danach bleibt das Auto die ganze Woche stehen — Boote, Busse und Fußwege bringen Sie überall hin, wo Sie hinwollen.

Die Kurzfassung

Vignette für 44,50 Euro besorgen, egal wie kurz die Durchfahrt ist. Bei einer Anreise ab Oktober die Schadstoffklasse prüfen. Wenn möglich über den Simplon fahren statt über den Mailänder Ring. Und im Ort: parken, aussteigen, Autoschlüssel weglegen.

Alle weiteren Wege an den See — Flughäfen, Bahn, Transfer — stehen in unserem allgemeinen Anreise-Guide.